Mein Weg ins Kloster

 

Ich, Schwester Carla, bin in Brasilien geboren. Ich bin 22 Jahre alt und trat mit 17 Jahren in unsere Kongregation in Cruzeiro do Sul, Brasilien, ein.

 

Als Kind wohnte ich bei meiner evangelischen Großmuter und besuchte auch die evangelische Kirche, aber ich fühlte mich dort nicht wohl, es fehlte mir etwas für mein Herz. Mit 11 Jahren zog ich zu meinen anderen Großeltern, die katholisch sind. Ich weiß es nicht zu erklären, aber als ich das erste Mal in der hl. Messe war, fühlte ich mein Herz überfließen vor Freude. Gleich begann ich mit dem Unterricht als Vorbereitung auf die Erstkommunion. Ich durfte auch schon bald danach bei der Katechese helfen. Welche Freude war es für mich, bei den Kindern zu sein und ihnen von der Liebe Gottes zu erzählen.Die Welt gab mir alles: Vergnügen, Feste, gutes Studium, Auto, schließlich alles, was Jugendliche sich wünschen können. Aber für mich waren alle diese Freuden nur Illusion. Etwas in meinem Herzen sprach lauter. Dann bat ich Gott, mir meinen Weg zu zeigen und seinem Willen zu folgen. Ich war dann sehr glücklich, als ich in einer hl. Messe bei der Kommunion eine Antwort erhielt.

 

Wie sollte ich das jetzt meinen Großeltern sagen? Mein Großvater war sehr krank. Er konnte nicht mehr sprechen und lag im Krankenhaus. Die Großmutter war auch schon alt.

 

Am 16. Mai 2005 träumte ich von meinem Großvater. Er sagte zu mir: „Hab keine Angst, deine Großmutter allein zu lassen, ich gehe und du musst deiner Berufung zum geweihten Leben folgen.“

 

Um 5.30 Uhr am Morgen dieses Tages läutete das Telefon. Wir erhielten die Nachricht vom Tod meines Großvaters.

 

Im Dezember desselben Jahres reiste ich mit meiner Großmutter zum Haus meiner Tante, die ich nicht kannte. Dort sprach ich über meine Berufung. Meine Großmutter und die ganze Familie waren einverstanden, nur nicht die evangelische Großmutter. Ich betete viel, bis sie schließlich meinen Wunsch, in ein Kloster zu gehen, akzeptierte.

Mit meiner Tante besuchte ich die Dominikanerinnen von St. Magdalena in unserem Missionshaus in Cruzeiro do Sul. Im Eingang dieses Konventes hörte ich Gott zu mir sprechen: „Tochter, hier ist dein Platz.“

 

Im Januar 2006 trat ich als Kandidatin dort ein und im November desselben Jahres wurde ich als Postulantin in unserem brasilianischen Noviziatshaus aufgenommen. Dort arbeitete ich wieder in der Katechese, half in der Schule und der Kinderpastoral. Das war für mich ein Geschenk Gottes. In den Augen der Kinder den Vater zu sehen, ist schön. Und wenn man dem hungrigen Kind ein Stück Brot gibt und erhält ein Lächeln als Dankeschön, ist man glücklich

Ich denke oft an das Wort Jesu: „Nicht ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt.“

 

In dieser Gewissheit und Hoffnung gehe ich glücklich weiter in meiner Berufung. Ich denke nicht, diesen Weg zu verlassen, denn der Schöpfer des Lebens hat mich erwählt. Wen sollte ich fürchten? Schwierigkeiten gibt es überall. Wenn ich mit Gott lebe, wird das Hindernis zu einem Aufstieg zum Himmel und zum persönlichen Wachsen.

 

Am 21. Mai 2010 kam ich nach Deutschland. Gott hat seine Pläne auch hier, und in seine Hände lege ich mein Leben. Jeden Morgen muss ich ihm danken für alles, auch für die Personen, die mir geholfen haben und noch helfen durch die Höhen und Tiefen in meinem Leben. Ich danke sehr für meinen Beruf zum gottgeweihten Leben. Und von Herzen kann ich sagen: Ich bin glücklich, dem Herrn zu gehören und bin hier, um alles aus Liebe zu ihm und zu meinen Mitmenschen zu tun.